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Ab in den Norden – der Sonne hinterher!

 

Mit der MS Schüppy auf Kreuzfahrt

 

Folge 5: Ab in den Norden – der Sonne hinterher!

Artig liege ich in Bremerhaven an der Columbuskaje. Als ich ankam, lag da schon eine Kollegin. Die ist ganz anders als ich. Aber sie hat mich gleich freundlich begrüßt und sich als Dein Dampfer 4 vorgestellt. Sie ist viel größer als ich und ihr Rumpf ist dunkelblau. Auf ihr stehen so schöne Worte wie „Entspannung“ und „Weite“. Ich bin echt beeindruckt. Und nett ist die, also wirklich. Sie wird heute Abend kurz nach mir losfahren und dann geht es rund um Großbritannien und Irland. Für mich geht es zwar in einem ersten Stopp auch nach Invergordon, doch dann führt meine Route weiter nach Island und schließlich über den Polarkreis hinaus. Wir gleichen die Route ab, aber bei dieser Reise haben wir keinen gemeinsamen Hafen. Das finde ich schade, aber auf dem Meer sieht man sich immer mal wieder, das habe ich gelernt. Mein Check-in ist fast fertig. Wenn ich ins Cruise-Terminal blicke, dann sehe ich bei der Dein Dampfer 4 noch lange Schlangen. Doch sie nimmt es ganz gelassen hin. Tuuut und schon wenige Zeit später lege ich ab. 

 

Wieso wird es nicht dunkel?

Invergordon und die Männer in Röcken kenne ich ja nun schon. Die können mich nicht mehr schocken, die Schotten. Auch dieses Mal sieht kein Passagier das Seeungeheuer. Scheint ein Marketing-Gag des Landes zu sein. In Island ist auch noch alles klar. Begeistert höre ich meine Passagiere, die auf dieser Reise wirklich schon sehr alt sind, über Geysire und warme Quellen sprechen. Viele haben sogar in ihnen gebadet und erhoffen sich dadurch ein Stück Jugendlichkeit zurück. Ehrlich? Jünger sehen sie nicht aus, aber irgendwie entspannter. Nachdem wir den Polarkreis überquert haben, verändert sich etwas. Es wird nicht mehr dunkel! Zuerst merke ich das gar nicht. Aber am dritten Seetag nach Island ist selbst die Poolbar nachts um 2 Uhr noch auf und es ist taghell. Und die Passagiere schlafen gar nicht oder kaum. Mein Lektor erklärt das den Gästen als Mitternachtssonne. Sie sind alle ganz verzückt und feiern mit großem Trara die Sommersonnenwende auf meinem Pooldeck bei bester deutscher Schlagermusik. Ich sehe genau hin, vielleicht haben die heißen Quellen doch was bewirkt? Meine Gäste tanzen mit einer Kondition, als ob sie gerade einem Jungbrunnen entstiegen seien. Der DJ spielt „Italienische Sehnsucht“ und das kurz vor Grönland. 

 

Ein eisiges Erlebnis

Am nächsten Morgen – woher weiß man eigentlich, dass es Morgen ist bei der Helligkeit? – sehe ich das erste Mal Eisberge. Helga, meine Kreuzfahrtdirektorin, ist auf meine Brücke gekommen und kommentiert den Anlauf im Magdalenefjord. Sie verkündet, dass die Crew nun einen kleinen Steg baut und danach würde der Landgang beginnen. Ausgeschifft wird mit meinen Tenderbooten. Sie erklärt auch, dass ein örtlicher Ranger für die Sicherheit der Passagiere sorgen würde, denn hierher kommen auch gern Eisbären. Nicht nur ich, auch meine Passagiere sind verzückt. Bären gibt es dann zwar keine zu sehen, aber ein paar junge Mädels von meiner Crew baden doch tatsächlich in dem kleinen See an Land. Frieren die denn gar nicht? Die älteren Herren unter den Passagieren verfolgen sie mit ihren Kameras, während ihre Ehefrauen lieber Wodka on the Rocks mit echtem Gletschereis genießen. Meine Crew schenkt unermüdlich nach. Ich genieße für einige Stunden die Ruhe auf mir, aber nicht lange, denn dann kommen die Ausflügler schon wieder schnatternd zurück.  

 

Aus dem „Seekästchen“ geplaudert :-)

Ein paar Seetage vergehen, es wird noch immer nicht dunkel, und ich erreiche das Nordkap. Die berühmte Kugel kann man heute bei bester Sicht und blauem Himmel deutlich vom Meer aus erkennen. Ich glaube, an diesem Nachmittag ist nur noch der wachhabende Erste Offizier an Bord. Ihr wisst schon, der mit der Reederstochter. Da herrscht aber schon eine Zeit lang Funkstille in der Kommunikation und ich habe genau beobachtet, wie er gestern Abend bei der Crewparty dem hübschen House-Keeping-Mädchen Lara aus Mexiko schöne Augen gemacht hat. Sie ist aber nicht darauf eingegangen, denn natürlich weiß jeder an Bord, dass da ja was war mit der Reederstochter. Lara hat das auch gar nicht nötig, denn sie hat längst ihr Herz an den Security-Manager Ivan aus Russland verloren, der immer besonders zärtlich ihre Bordkarte durch den Scanner zieht, wenn sie ein- und aussteigt. Das Seemänner immer so sind! Egal, jetzt muss mein „Erster“ Wache schieben und sieht gar nicht glücklich aus, denn das Internet geht nicht von da oben. Die Küchenmannschaft hockt direkt vor dem Schiff, da ist eine „free Wi-Fi“ Zone. Neidisch schaut der Offizier von der Brücke seinen Kollegen zu. 

 

Die Datenschutzgrundverordnung im Geiranger-Fjord

Ich schüppere (ha) die nächsten Tage gen Süden. Nach den Lofoten überquere ich wieder den nördlichen Polarkreis und juhu, meine Passagiere, die immer so gern die Sonnenaufgänge und -untergänge am frühen Morgen und späten Abend an Deck fotografieren, kommen wieder auf ihre Kosten. Die Normalität ist wieder da! Ich persönlich finde es auch schöner, wenn Gala-Abend ist und meine Eisbombe bei Dunkelheit serviert wird. Die Einfahrt in den Geirangerfjord bei bestem Wetter lockt schon morgens um 8 Uhr fast alle Passagiere an Deck. Felswände türmen sich vor mir rechts und links auf und unzählige kleine und große Wasserfälle plätschern in den Fjord. Schließlich erreichen wir das Ende und den Ort Geiranger. Ich sehe, dass schon zwei Kolleginnen von mir dort liegen und freue mich auf einen entspannten Vormittag. Vielleicht haben sie Lust, sich mit mir zu unterhalten? Haben sie dann aber leider nicht. Die eine verbietet mir sogar ihren Namen zu nennen und beruft sich auf die neue Datenschutzgrundverordnung (hallo, jeder kann auf der Marine-Traffic-Seite im Internet sehen, dass sie heute hier liegt), die andere hat anscheinend einen ernsthaften medizinischen Notfall an Bord, denn an Land stehen zahlreiche Rettungswagen. Aus diesem Grund verschweige ich ihren Namen. Ja, auch so etwas gehört leider zu einer Kreuzfahrt. 

 

Lachs trifft blaues Auge 

Schließlich erreichen wir den letzten Hafen dieser Reise, Bergen. Und wie bei der letzten Reise angekündigt, marschiert Helga mit dem Kapitän auf den Fischmarkt. Allerdings sehe ich, dass sie nicht allein unterwegs sind, sondern vom Küchenchef begleitet werden. Vermutlich wird es zum Farewell-Abend tonnenweise gebeizten Lachs geben. Ich komme mir schon ein wenig dumm vor, weil ich doch dachte, dass der Kapitän womöglich ein Techtelmechtel mit seiner Kreuzfahrtdirektorin anfangen wollte. Ihr wisst ja, Seemänner! Mein Erster Offizier hat übrigens ein blaues Auge seit gestern Abend und Laura und Ivan tauschten später am Abend erste zaghafte Küsse auf dem Crewdeck aus. Ob das irgendwie zusammenhängt, habe ich noch nicht herausbekommen. Ich habe nur gesehen, dass die Reederstochter heute ein Fax an den Kapitän geschickt hat. Sie kommt übermorgen in Hamburg an Bord, na, das wird spannend! Meine nächste Reise wird mich rund um Westeuropa führen und auf dieser Route geht es bekanntlich immer ein wenig stürmisch zu. 

Ahoi, Eure MS Schüppy