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MS Amera kehrt mit allen Gästen nach Bremerhaven zurück

Autor: Oliver Asmussen am 18.03.2020

Lock down: Keine Ausschiffung auf MS Amera möglich

Während das Coronavirus (COVID-19) für den weltweiten lock down der Kreuzfahrt sorgt, wird die MS Amera von Phoenix Reisen dabei zur kleinen Arche für Kreuzfahrer.

Traumkreuzfahrt von Buenos Aires nach Manaus

Von Buenos Aires bis nach Manaus ging die wunderschöne Kreuzfahrt, entlang der Ostküste von Südamerika zu den Traumzielen in Brasilien. Wohl kaum einer der Passagiere, die ihre Reise am 24.02.2020 in Buenos Aires begonnen haben, konnte sich vorstellen, am Ende unmittelbar von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen zu sein.

Sonnenuntergang MS Amera vor Buenos Aires

Foto: Sonnenuntergang MS Amera vor Buenos Aires

Auch Anett und Jürgen Scholüke aus unserem Redaktionsteam in Buxtehude nicht. Sie stellten während des Reiseverlaufs immer wieder wunderschöne Eindrücke exotischer Destinationen online. Eindrücke, die wir alle von unseren vergangenen Kreuzfahrten kennen. Farbenfrohe Sonnenuntergänge, exotische Strände, die Gesichter lächelnder Menschen in Brasilien und bunte Blumen immergrüner Urwälder. Alles lief nach Plan. Nur durch die Nachrichten wurden die Gäste an Bord über das Geschehen in Europa informiert. Die Heimat lag 10.000km weit weg. Während in Brasilien schöne Strände und Märkte auf dem Programm standen, wurden im entfernten Europa die Einschränkungen, bedingt durch das Coronavirus (COVID-19) immer strenger. Die Zahl der Infizierten stieg zunächst in Italien rasant an und auch in Deutschland wurde die Lage ernster.

CruiseStart Redaktion Anett und Jürgen MS Amera

Foto: Cruise Start Redaktion Anett und Jürgen Scholüke

Alles lief lange Zeit nach Plan

Da sich die MS Amera sehr lange in brasilianischen Gewässern aufgehalten hat, seit dem 29.02.2020 genauer gesagt, galt das Schiff für die brasilianischen Behörden als „virusfrei“. Es gab außerdem zu keinem Zeitpunkt weder einen Verdachts- noch einen bestätigten Corona-Fall auf dem Schiff. Aus diesem Grunde durfte die MS Amera die geplanten Destinationen auch noch zu einem Zeitpunkt anlaufen, als in Europa die ersten Häfen bereits geschlossen hatten und es zu großen Umroutungen kam. Auch in Südamerika wurden bereits Kreuzfahrtschiffe anderer Reedereien abgewiesen, als die MS Amera den geplanten Routenverlauf weiterhin unbeirrt fahren konnte.

Abbruch der Weltreise in Manaus

Die Anzahl an Personen, die sich weltweit mit dem Coronavirus infiziert haben, stieg innerhalb weniger Tage rapide an. Aufgrund der daraus resultierenden Probleme musste man in der Phoenix Reisen Zentrale in Bonn den Entschluss fassen, im brasilianischen Manaus keine neuen Gäste an Bord aufzunehmen. Entsprechende Reisen wurden abgesagt. Auch der geplante Teil-Crewwechsel entfiel. Alle Kreuzfahrer, der Teilstrecke, sollten mit einem Charterflug zurück in die Heimat gebracht werden. Mit Ausnahme jener, die an Bord der MS Amera ihre Heimreise in Richtung Europa antreten wollten. Es gab eine Verlängerungsmöglichkeit (75,- EUR p.P./Tag). Soweit der Plan.

Stündliche Änderungen machten weitere Planungen unmöglich

Die Häfen Belém und Santarém wurden ebenfalls noch planmäßig angefahren. Die MS Amera hat den Hafen von Santarém am Abend des 16. März 2020 verlassen und sollte nur zwei Stunden später vor Alter do Chao auf Reede gehen. Die örtlichen Behörden haben jedoch ein Ankern nicht mehr zugelassen. Die Entfernung beider Städte beträgt nicht einmal 20 Kilometer. Es ist schwer nachzuvollziehen, was zu solchen willkürlichen Entscheidungen führt. Zu jener Zeit verhängten die Behörden in Deutschland weitere Einreiseverbote innerhalb einzelner Bundesländer für Touristen anderer Bundesländer. Zunächst änderten sich die Richtlinien noch wöchentlich, dann täglich und zuletzt stündlich. Weitere Planungen wurden somit unmöglich. Man befand sich in einer Lage, die es bisher nie gegeben hat. Nicht nur an Bord der MS Amera.

v.l.n.r: Schiffsarzt Winfried Koller, HM Andreas Vespermann, Kapitän Elmar Mühlebach, CD Christoph Schädel

Kein Rückflug ab Manaus mehr möglich

Am Abend des 17. März erfolgte an Bord der MS Amera eine ausführliche Aufklärung seitens des Kapitäns Mühlebach und Kreuzfahrtdirektor Christoph Schädel. Allen Passagieren wurde die Sachlage im Detail erklärt und darauf hingewiesen, dass es vermutlich keine Rückflugmöglichkeit mehr ab Manaus nach Deutschland geben wird. Es wurde darum gebeten, dass sich alle Passagiere auf diese unvorhersehbare Situation einstellen mögen und eine Liste jener Medikamente erstellen können, die sie dringend benötigen.

Am Morgen des 18. März machte die MS Amera in Manaus fest, wurde aber sowohl von Wasser- als auch von Landseite mit Sicherheitskräften abgeriegelt. Es sollte offenbar mit allen Mitteln verhindert werden, dass sich jemand an Land begibt. Ob das wirklich nur den Hintergrund zum Schutz vor dem Corona-Virus hat, darf stark bezweifelt werden.

Blick von Bord der MS Amera auf Manaus

Foto: Blick von Bord der MS Amera auf Manaus_1

In Deutschland läuft zu diesem Zeitpunkt die größte Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland in der Geschichte der Bundesrepublik!

Von der Bundesregierung gecharterte Maschinen holen rund 10.000 Reisende zurück aus dem Ausland.

Rückkehr der MS Amera mit allen Gästen an Bord

Aufgrund der ausführlichen Vorabinformationen am Abend zuvor, kam es wenig überraschend als Kreuzfahrtdirektor Christoph Schädel die Nachricht überbrachte, dass alle Gäste mit der MS Amera zurück nach Europa fahren würden. Für die Rückreise in Richtung Deutschland sind 17-18 Tage geplant, mit einem technischen Stopp zum Bunkern in Belém. Die Stimmung an Bord ist weiterhin gut, denn die MS Amera wurde in all dem Chaos, welches weltweit aufgrund der Corona-Pandemie herrscht, zur kleinen Arche für alle Reisenden. Die Abfahrt in Richtung Bremerhaven (Update: Hmburg!) soll am Donnerstag, 19.03.2020 um 18:00 Uhr (23:00 Uhr MEZ) sein.

Gouverneur Wilson Lima untersagt Ausschiffung

  • Update 18.03. (23:45 Uhr): Der Grund, weshalb kein Rückflug bzw. kein Ausschiffung für die Abreisenden Gäste in Manaus möglich ist, begründet ein Schreiben des Gouverneurs Wilson Lima, der seit 2019 im Amt ist - er persönlich untersagte die Ausschiffung, obwohl die örtlichen Behörden und auch das Gesundheitsamt keine Bedenken hatten, hinsichtlich der Gefahr einer möglichen Einschleppung des Corona-Virus.

Phoenix Flotte auf dem Weg nach Bremerhaven bzw. Hamburg

Auch die anderen Kreuzfahrtschiffe aus der Flotte von Phoenix Reisen befinden sich auf dem Rückweg nach Richtung Bremerhaven und haben die jeweiligen Weltreisen abgebrochen. Die MS Artania hat heute Sydney verlassen und trifft 28 Tage später an der Weser ein, die Amadea befindet sich im Panama Kanal und soll am 1. April zurück sein, die Albatros hält zunächst Kurs auf den Suezkanal, soll dann aber ebenfalls in Richtung Bremerhaven weiterfahren. Auch die MS Deutschland hat von Kapstadt Kurs auf Bremerhaven genommen, soll dort am 04.04. ankommen. (Alle Angaben ohne Gewähr / Änderungen vorbehalten!)

  • Update: 18.03.2020 (23:30 Uhr) MS Amera Ankunft am 04.04. in Hamburg geplant!

Träumen von der nächsten Kreuzfahrt

Der Sonnenuntergang kurz nach der Abfahrt in Sydney ist wunderschön, wirkt in diesen Tagen allerdings beinahe surreal. Fast wie aus Tagen, als an Deck der Kreuzfahrtschiffe noch von der nächsten Kreuzfhrt geträumt wurde. Derzeit ist es ungewiß, wann das nächste Kreuzfahrtschiff überhaupt in See stechen wird.

Sonnenuntergang MS Artania vor Sydney

Foto: Sonnenuntergang MS Artania vor Sydney

Fragen an unser Redaktionsteam an Bord

Obwohl wir in der Heimatredaktion stets mit unserem Team an Bord der MS Amera in Kontakt standen, haben wir die Entwicklungen mit unterschiedlicher Intensität und aus verschiedenen Blickwinkeln wahrgenommen. Jürgen Scholüke in einem kurzen Interview:

CruiseStart: Der internationale Tourismus steht nahezu still und es gibt eine weltweite Reisewarnung. Wie fühlt es sich an zu den letzten Reisenden zu gehören, welche auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs sind?

JS: Die Reise nahm zunächst einen ganz normalen Verlauf. Die Ereignisse rund um Corona schienen uns nicht zu betreffen. Sie waren so weit entfernt. Im weiteren Reiseverlauf fühlten wir uns zunehmend auf einer sicheren Arche, welche durch Südamerika fährt, isoliert aber sicher.

CS: Haben sie diese Entwicklungen zu Beginn ihrer Kreuzfahrt vermutet, wie sich die Lage in der Zwischenzeit verschärft hat?

JS: Vor der Reise hat man die Entwicklung in Wuhan verfolgt. Erste Kreuzfahrtschiffe wurden festgesetzt. Der Gedanke war stets, dass dieses mit uns nichts zu tun hat. Wir sind doch am anderen Ende der Welt. Die Verschärfung der Lage war, denke ich, für alle nicht erwartbar.

Für uns kommt hinzu, dass wir von den Entwicklungen hier nur hörten und lasen. Es blieb alles weit entfernt – nicht nachvollziehbar. Gleichwohl war das Thema an Bord sehr präsent und wurde täglich diskutiert.

CS: Ab wann haben sie gemerkt, dass die Realität sie einholt? Die weltweite Kreuzfahrt stand in Santarem schon still.

JS: Bis vor einem Tag war hier an Bord noch alles normal, soweit man es so bezeichnen kann. Wir besuchten die Destinationen und machten unsere Ausflüge. Man verfolgte die Meldungen war jedoch nicht direkt betroffen.

Der Shutdown kam völlig unerwartet, offensichtlich auch für die Schiffsführung. Aus einem, durch die brasilianischen Behörden als sicher erklärtem Schiff wurde binnen weniger Stunden ein Risikofall. Nun hat auch uns erreicht, was wir aus der Heimat und von anderen Schiffen hörten. Binnen kürzester Zeit kann sich eben alles ändern.

  • Details und aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie auf der Webseite von Phoenix Reisen!

Bei der Reise von Buenos Aires nach Manaus handelt es sich um eine individuelle Pressereise von Phoenix Reisen.